Corona Files

Andi und Martin kämpfen gegen das Verschwinden an, so wird der private Corona-Schriftverkehr vollständig öffentlich gemacht.

Marathon-Lesung aller Files:
5. September 2020, ab 10 Uhr in der Galerie Freihausgasse Villach und als Online-Stream:
https://youtu.be/aq1eoVSFUwE

20052021-1948:M

Den Jahrestag haben wir verpasst, sowieso nicht gefeiert. Ist es, weil wir irgendwie eingeschlafen sind, weil wir nach einem Jahr Pandemie schon müde sind oder – schlimmer – weil wir schon lethargisch sind? Spätestens mit Jahresende 2020 war klar, dass es noch nicht vorbei ist, war auffallend, dass immer mehr Menschen wegbrachen, also sich mit dem Aufraffen schon etwas schwer tun. Mir fehlt die Kunst, mir fehlt der Besuch von Theatern, wo hinter verschlossenen Türen teilweise und ohne Perspektive geprobt und höchstens noch gestreamt wird. Und deswegen werde ich mich am 1. April (kein Scherz) sechs Stunden in einen Zug setzen, um zu einer Premiere zu fahren. So ganz kann ich es noch nicht glauben, aber der Teil von Österreich, wo die Premiere stattfinden wird, ist gerade der einzige, wo es zumindest aktuell erlaubt wäre. Und schon bin ich überfordert. Karten buchen, Tickets buchen, Hotel buchen. Wo kann ich mich zeitnah testen? Wieviel FFP2-Masken und wieviel Liter Desinfektionsmittel muss ich mitnehmen? Fühlt sich jetzt schon stressig an, stundenlang im Zug zu sitzen und mein Gedanken kreisen seit Tagen allein um die Angst, dass der Zug Verspätung hat und ich die Vorstellung verpasse, also völlig umsonst so lange und so weit gereist sein könnte. Das lähmt mich so sehr, dass ich noch nichts gebucht habe. Vielleicht ist die Premiere jetzt auch schon ausgebucht…

2602021-2119:M

Schauen wir mal, dann werden wir schon sehen. Oder ähnlich, heißt es ja. Ich habe so lange seit dem letzten Eintrag gewartet, dass ich gar nicht mehr wusste, wie ich die Betitelung richtig mache, vielleicht ist sie auch falsch. Was ist seit der letzten Folge passiert, ein kurzer Abriss: Frisöre und Nagelstudios durften wieder aufsperren, Leute dürfen sich wieder die Haare oder Fußnägel machen lassen, wenn sie nachweisen, dass sie in den letzten 48 Stunden coronanegativ (ist das schon ein Adjektiv?) waren. Man darf wieder shoppen gehen und die Leute nutzen die Gelegenheit. Baumärkte, Bekleidungsgeschäfte und nicht zuletzt Buchläden haben wieder offen. Ersteres und Letzteres hat sogar mir jetzt schon Geld aus der Tasche gezogen. Die Zahlen steigen aber wieder ordentlich – vielleicht auch nur, weil soviel getestet wird. Man weiß es nicht, oder vielleicht weiß man es schon, aber es wird nicht verkündet. Wann war eigentlich die letzte Pressekonferenz? Wann ist die nächste? Theater und Kulturinstitutionen (außer Museen und Galerien) haben weiter zu, noch immer ohne Perspektive.
Nun liegen FFP2-Masken überall herum, also ähnlicher Müll wie in den letzten Monaten, nur jetzt etwas teurer. Ich hatte einen kurzen Moment, wo ich eine aufheben wollte, weil ich gerade keine dabeihatte, es hat mich dann doch gegraust und ich hab mich daran erinnern müssen, für was diese Masken überhaupt sind oder was in ihnen vielleicht schlummert. Für einen Moment hatte ich also die Gefahr verdrängt gehabt. Cluster gibt es übrigens in Schulen, Kindergärten, Firmen, Dörfern und Städten, ganze Regionen wurden abgeriegelt, auch die Grenzen nach Österreich sind zu, Deutschland ist da zum Beispiel rigoros. Kärnten ist zahlentechnisch fast Spitzenreiter, wie man so sagt, der Bezirk Hermagor dürfte bald immun sein, weil sich dort bald alle angesteckt haben werden, wenn dies nicht bereits geschehen ist. Man fährt trotzdem weiter Ski, auch der Landeshauptmann sieht keinen Grund einzugreifen, Hermagor wird nicht abgeriegelt. Spekuliert wird, dass das mit den anstehenden Wahlen in Zusammenhang steht, aber wer weiß schon, was die Politik so treibt und denkt und …
Und: Die ÖVP ist irgendwie doch in der #oevpkrise. Hausdurchsuchung beim Finanzminister, ein schwarzer Verfassungsrichter ist jetzt auch seinen Laptop los, irgendwie sind überdurchschnittlich viele Politiker, der ehemals konservativen, der ehemals christlichen Partei in Skandale verstrickt; ich muss jetzt schreiben: potentiell in Skandale, in Korruptionsskandale verstrickt, ich muss das schreiben, weil sonst wird man verklagt und auf der Seite des Innenministeriums namentlich an den Pranger gestellt, vielleicht schickt der Innenminister auch gleich die WEGA. Man weiß nie, was in Österreich alles möglich ist, aber man würde sich nicht wundern. Für alle gilt die Unschuldsvermutung, zumindest solange nicht das Gegenteil bewiesen werden konnte und das kann noch länger dauern. Den Reichen reicht´s und dieses schöne System, wo eine Hand die andere wäscht, darf doch noch nicht enden, wo man sich doch so gut reingespendet hat in die Machtzentralen. Nein, natürlich muss noch nicht mal eine Spende geflossen sein, für Kumpel macht man kleine Gefallen auch ohne Gegenleistung, denn wer weiß, wo man nach seiner Politikkarriere unterkommen muss und dann hat man immer noch mehrere Gefallen offen. Corona ist also gerade eher Nebenthema, ist nicht so wichtig und auch gar nicht mehr spannend, alle sind schon pandemiemüde (Ist das schon in den Duden aufgenommen?). Aja, Kinder wurden abgeschoben, wie nunmal ständig auch Kinder abgeschoben werden, aber jetzt bekam das gerade etwas mehr Aufmerksamkeit. Aja, Impfstoff ist leider auch zuwenig da, ich rechne mit einer Impfung für uns im Herbst …. 2022. Aja, ab Montag gibt es gratis Tests in den Apotheken, allerdings natürlich auch zu wenige für alle und selbst wenn, viele sind von diesem Gratisprogramm überhaupt ausgeschlossen. Tja, was war noch? Starmania läuft gerade, eine neue Staffel, auch eine mittlere Sensation und ich denke daran, dass das ideales Ablenkfernsehen ist. Ich würde ja unterstellen, dass die ÖVP das kurzfristig im ORF in Auftrag gegeben hat, um von ihrer Krise abzulenken, vielleicht auch von der Korruption, sofern sie die ÖVP betrifft (ich muss das so ungelenk schreiben, sonst kommt das Anwaltschreiben), aber das wäre eine Unterstellung und die #oevp ist so tief in der #oevpkrise, dass man sie nicht mit noch einem Skandal beschäftigen will. Stay tuned, was demnächst im Staatsfernsehen läuft, in einer Viertelstunde die ZIB2 zum Beispiel.

07022021-2148:M

Wie heißt das österreichische Bundesland, das nicht mehr nur durch den Schisport weltbekannt ist? – Virol ! Und wie heißt die Hauptstadt? – Impfbruck.
Lacher, Haha, Tusch, Böllerknall.
Tatsächlich ist Tirol nach des großen Apres-Ski-Clusters und den damit verbundenen Leugnungen und Behörden-Versagen (Darf man das so sagen?) im Jahr 2020 nun auch gleich im ersten Monat des Jahres 2021 wieder in aller Munde, weil sich dort die südafrikanische Mutation des Covid-19-Virus stark verbreitet. Ausgerechnet Tirol, ein Bundesland, das eher mit Gemütlichkeit in den Tälern, hohen Bergen und Bergbauern assoziiert wird, was so ja auch nicht stimmt, weil das Halli-Galli natürlich auch ein Teil des Landes ist.
Wie wurde das Virus bloß eingeschleppt? Darüber macht man sich aktuell Gedanken, Wie konnte das bloß passieren? Ein Rätsel für die Leute vor Ort und die Politik. Es gäbe zwar ein paar Hinweise, wie Südafrika nach Tirol kommt, aber wenn das stimmen würde, … Nein, das kann doch nicht, … Nein, so doch nicht. Der Virus kommt doch mit einem Privatjet aus Südafrika, das kann ja nicht sein, auch wenn der Privatjet, weil ein Direktflug nicht rechtens gewesen wäre, den Umweg über Paris genommen hätte, also das kann ja nicht sein. Und dann soll es auch noch einen Zwischenstopp in Ibiza gegeben haben. Nein, das kann sich doch niemand leisten, im kalten Januar herumzujetten. Und selbst wenn, wie soll sich das dann weiterverbreitet haben? Doch sicher nicht auf einer Party, weil das wäre ja verboten gewesen und sowas wäre ja nicht geduldet gewesen, außer es wären vielleicht auch Politiker und Touristiker anwesend gewesen und das wäre ja eigentlich dann ein Skandal, wenn sich hier eine Gruppe von Leuten mit Kohle und Covid einfach über alles hinweggesetzt hätten, was für viele in der Bevölkerung schon schwer durchzuhalten ist und trotzdem keine Konsequenzen folgen würde. Nein, sicher alles nur Einbildung. Und wenn man das behaupten würde, wäre das sicher klagbar oder die Tiroler würden gleich mit ihren Gewehren und ihren knuffigen Trachten aufmarschieren und jeden erschießen, der sowas behaupten würde.

Screenshot: Rudi Fussi

28012020-0854:M

Übernächste Woche beginnen die Semesterferien, wobei diese in diesem Jahr nur eine Verlängerung des Lockdowns sind. Also hat die Familie schon aktuell mehr Zeit zuhause und zusammen, zumindest theoretisch. Denn wir sind ja im Lockdown, Vati kann nicht in die Bar saufen gehen, Mutti nicht in den Yoga-Kurs flüchten und die Schulen sind ja geschlossen. Die Schulen sind geschlossen, meint man, heißt es. In Wirklichkeit sind sie jedoch offen, Notbetreuung nennt man das dann und diese führt dazu, dass die Klassen teilweise bis zu 80% besetzt sind, also eh fast normal. Das führt zum absurden Umstand, dass die Lehrerkörper nicht nur physisch in der Schule sondern auch digital vorhanden sein müssen und lehren sollen. Vor Ort in den Schulen kann aber natürlich nur ein gewisses Maß an Betreuung gewährleistet werden, Beschäftigung für a.) die Kinder, deren Eltern tatsächlich keine andere Möglichkeit haben (alleinerziehend, wichtige Berufe, die Kinder sollten ja auch nicht in andere Familien oder gar zu den Großeltern gebracht werden und die Sozialpartnerschaft hat es noch nicht geschafft, den Urlaubsanspruch an die Lockdown-Zeiten anzupassen) oder b.) für Eltern, die ihre Kinder nach einer gewissen Zeit nicht mehr aushalten, oder c.) für Eltern, die an die Pandemie sowieso nicht glauben oder sie einfach nicht verstehen. Wahrscheinlich gibt es auch noch die Möglichkeiten d.), e.) und f.).
Die immer massiver vorgetragene Forderung, die Schulen endlich zu öffnen, weil man die Kinder psychisch schädige (Was für viele Kinder zutreffen mag, vor allem für jene, die in Familien der Kategorie b.) aufwachsen), führte gestern in der Zeit im Bild dazu, dass die Kinder- und Jugendspezialistin und Vorstandsdingsbums KiJu-Heilkunde Daniela Karall (oder Krawall?), die sich offensichtlich in der Google-Akademie auch zur Virologin und Statistikerin ausbilden ließ, alles in die Waagschale warf, damit die Schulen, die ja nicht geschlossen sind, endlich wieder öffnen. Nach einem Jahr Pandemie, nach aktuellen Studien, die Kinder- und Jugendliche und also Schulen tatsächlich als relevante Faktoren für die Verbreitung feststellen, bei mäßig sinkenden Ansteckungszahlen nach einem Monat „Lockdown“ stellte Influencerin Karall (zuerst laß ich tatsächlich Krawall) nonchalant fest, dass die Schulen geöffnet werden müssen (obwohl sie ja nicht zu sind), weil das, was gerade als state of the art oder vielmehr Stand der Wissenschaft gilt, eigentlich so nicht stimme und weil ja eben alles ganz furchtbar für die Kinder und Jugendlichen, die ja jetzt zuhause mit ihren Eltern und die Eltern ja auch mit den Kindern und ja. Nicht gestellt wurde die Frage, warum man dieses beknackte System, in dem die Gesundheit der Wirtschaft geopfert werden kann, in dem alle abgehetzt und ängstlich auf ihre Arbeitsplätze starren, nach einem Jahr immer noch nicht verbessert hat. Ich habe Angst vor dem Ende der Pandemie, weil dann alles wieder so weiter gehen wird, wie vor der Pandemie, weil ja jetzt schon mit allen Mitteln versucht wird, die Leistungsgesellschaft, die Burn Out-Gesellschaft, die „Sorry, Kleiner, ich muss zur Arbeit und komme leider erst am Abend völlig müde nachhause, schalt dir doch den Fernseher ein“-Gesellschaft aufrecht zu erhalten, anstatt etwas zu ändern.
Ich kann dieses Bedürfnis einen falschen Status Quo mit allen – auch finanziellen und auch propagandistischen – Mitteln aufrecht zu erhalten nicht verstehen. Ich will nicht verstehen, Nein, ich will nicht akzeptieren, dass Schilehrer auf den Pisten herumdüsend gaudieren können, während andere unter dem Lockdown leiden. Es ist inakzeptabel, die Lehrkörper in gut gefüllten Lockdown-Betreuungsklassen zu zerreissen (zwischen Präsenz- und Onlineunterricht, zwischen Jobverpflichtung und eigener Gesundheit, in permanenter Überlastung), oft ohne dass tatsächlich die versprochenen Test durchgeführt werden (Es gibt schon eigene Klassen für die SchülerInnen, die sich nicht testen lassen wollen bzw deren Eltern nicht wollen, dass die SchülerInnen getestet werden – die LehrerInnen, die in solche Klassen müssen, sind nicht amused). Es ist ganz klar, dass sich kaum (eher: keine) LehrerInnen für die Betreuung in den Semesterferien (um Stoff nachzuholen und zu vertiefen) melden, weil diese LehrerInnen genug haben und davon auszugehen, dass das schon irgendwer machen wird, dass sich das schon irgendwie ausgehen wird, scheint ja das Prinzip von unbeholfenen Figuren wie Minister Faßmann. Exkurs: Kennt man ja auch aus dem Gesundheits-, aus dem Pflegebereich, weil dort Leute (unterbezahlt) nicht einfach alles stehen und liegen lassen können, was sie eigentlich müssten, wenn man bedenkt, was ihnen seit Monaten zugemutet wird. :Exkurs. Es ist verachtenswert, dass Kinder vorgeschoben werden, um als Opfer präsentiert zu werden, nur um ein völlig krankes System aufrecht zu erhalten, anstatt die Mängel zu beheben (nur für den Anfang: Wie sieht es nach einem Jahr Pandemie mit Computern für all jene aus, die diese bräuchten? Wie sieht es mit Tools, mit Software, mit Plattformen aus, die die LehrerInnen entlasten und den SchülerInnen helfen würden? Hat sich schon jemand Verantwortlicher Gedanken zum Unterricht der Zukunft gemacht? Gibt es schon die Schnelltests für die SchülerInnen? Gibt es bereitgestellte Masken? Würde ein zeitversetzter Unterricht Sinn machen um die SchülerInnenmassen zu lenken? Gibt es Luftfilter in jeder Klasse? Exkurs: Wann verschwinden endlich diese scheiß Kreuze aus den Klassenzimmern?! :Exkurs) und es ist scheußlich, dass Kinder mit ihren Familien abgeschoben werden, obwohl sie einfach weiter in Österreich leben könnten, wie sie es gewohnt sind.
(https://www.derstandard.at/story/2000123677496/naechtlicher-protest-aufgeloest-und-abschiebungen-nach-georgien-durchgefuehrt)

24012020-2259:M

Ich habe mir gerade impulsiv gedacht, ich könnte wieder mal die „Stopp Corona“-App öffnen. Konnte ich nicht, denn wie mir auf- und dabei eingefallen ist, habe ich sie vor mehr als einem Monat gelöscht. Es muss ungefähr der Zeitpunkt gewesen sein, als nach mehrmaligen Ankündigungen schon wieder kein sinnvolles Update kam, dass ein Tracing oder eine bessere Funktionalität ermöglicht hätte. Worin ist bloß das Geld für die Entwicklung geflossen? Den genauen Betrag will ich jetzt nicht googlen, aber nur soviel: zuviel. Letztes Update vor 1 Monat: Textänderungen in den Warnmeldungen, Aktualisierung Onboarding (!?) Screen, Geringfügige (!) Verbesserungen Barrierefreiheit. Wirkliche Verbesserungen wären natürlich zuviel verlangt. Aber warum rege ich mich überhaupt auf. 687 Bewertungen haben schon ihr Urteil gesprochen: 2,8 von 5 möglichen Sternen, allerlei Beschwerden über Disfunktionalität oder fehlendes Feedback. Außerdem wir die App als 17+ eingestuft, was erklären könnte, warum meiner Tochter die App gar nicht angezeigt wird. Trotzdem hält sich die App immer noch auf Platz 3 der Charts, in der Kategorie Medizin. Warum wohl?
Ich möchte das nur festhalten, weil ab morgen ja die 2 Meter-Abstandspflicht (Ja, der Babyelefant ist in den Monaten gewachsen) gilt. Bin gespannt, wie diese in den Schigondeln eingehalten wird. Also diese Gondeln, die in den Gebieten liegen, von denen gerade wieder soviel Infektionen ausgehen.

16012021-2304:M

Als Chronist eigne ich mich nicht, du im übrigen noch viel weniger. Tage vergehen und nichts wird festgehalten, obwohl doch ständig etwas geschieht. So klein kann das Ereignis gar nicht sein, dass es sich nicht doch lohnen würde, es aufzuschreiben. Gerade passiert im häuslichen Kontext ja wenig (Küche aufgeräumt, Wohnzimmer aufgeräumt, Milch fast leer, Kinder ein paar Mal gesehen, …), global aber viel. Und vorstellbar wäre natürlich noch viel mehr. Man könnte soviel beschreiben, soviel dazudichten. Morgen gibt es wieder eine Pressekonferenz und alle werden auf den Satz des Gesundheitsministers warten, den er immer sagt: Die nächsten Wochen werden entscheidend sein. Der Bundeskanzler wird wieder in einen seiner Sätze ein Fremdwort einbauen, das er neu gelernt hat. Heute gab es eine Demonstration mit ca. 10.000 TeilnehmerInnen, die sich zwischen Ängsten und Sorgen, Verschwörungstheorien und Rechtsextremismus versammelten, distanzlos untereinander, was erschreckend ist, weil sich bei diesen Demos soviel vermengt. QAnon, 5G und Bill Gates waren auch auf Schildern anwesend. Eine abstoßende Masse an Menschen. Das will man nicht genau betrachten. Die Sonne war heute sehr schön, aber ich habe sie verpasst, weil – siehe oben – Küche aufgeräumt. Ich habe Gitarre geübt und mit dem ersten Powerchord schon meine Rockkarriere kurz vor Augen gehabt. Ich habe mich geduscht, aber nicht rasiert. Da fällt mir ein: Haben wir die britische Mutation des Virus schon erwähnt, die 50% ansteckender ist? Fällt man dann zwischendurch ein, hätte man schon schreiben können, aber ich bin einfach ein unzuverlässiger Chronist. Wahrscheinlich werde ich mich in zwei Jahren nicht mehr korrekt an 2020 erinnern können und mir eine Geschehnisse zusammenlügen, anhand von Medienbildern. Und all das nur, weil ich ein so schlechter Chronist bin, weil ich alles durcheinandermixe und vieles vergesse.

080120221-1149:M

Das Wichtigste habe ich jedoch vergessen: Es hat geschneit. Es liegt soviel Schnee wie schon lange nicht mehr. Vermeldet wurde, dass wir soviel Schnee hier zuletzt vor 25 Jahren hatten. Vor 25 Jahren! Denk mal zurück! Da war ich 13 und ging ins Gymnasium, entdeckte immer mehr gute Musik für mich und kämpfte gleichzeitig mit schlechten Noten. Es will nicht in meinen Kopf, dass ich vor einem Vierteljahrhundert überhaupt schon denken konnte. Der Schnee war mir damals wahrscheinlich maximal egal.

08012021-1135:M

Der letzte Eintrag stammt aus dem alten Jahr, dem argen Jahr 2020, das uns alle etwas ausbremste. Die Frage ist: Endet es mit 2020? Wie wir sehen, ist das nicht der Fall. Sollen unsere Files mit einem Kommentar zum Schifahren enden? Auf keinen Fall, denke ich. Alle sind müde, Masken zu tragen, Abstand zu halten, auf Cafés, Restaurants und Kultur verzichten zu müssen, time dehnt sich wie ein Kaugummi, und sie klebt. Das merkt man auch an uns, aber warum sollte es uns anders gehen. Man muss sich einfach aufraffen, 2022 ist dann Covid-19 hoffentlich Geschichte.
Also kurze Zusammenfassung: Lockdown 2 ging in Lockdown 3 über, die Sterblichkeit ist immer noch nicht vernachlässigbar, aber die Intensivstationen angeblich nicht mehr am Rande des Kollaps. Bei den Massentestungen, die schlecht angenommen wurden, auch wenn man es schönreden wollte, wurden zumindest einige Positive gefunden. Wir sind aktuell immer noch bei über 2000 Fällen. Die Impfung ist gestartet, mit viel medialer Inszenierung und erneut chaotischer Kommunikation, zuerst sollte – obwohl die Impfdosen schon vorhanden waren – die Impfung erst am 12. Jänner starten, dann hat man allerdings doch nochmal nachgedacht und kam drauf, dass das absolut hirnrissig wäre, weil man innerhalb einer Woche ja jede Menge Fälle vermeiden und viele Leute schützen könnte. Tja. Zuerst werden jetzt die Alten…heime geimpft, dann auch die Menschen über 70 und dann geht das Stück für Stück so weiter, sodass wir im Herbst auch drankommen könnten. Long time to go.
Vor 2 Tagen wurde übrigens das Kapitol gestürmt, kurz bevor der neue President der United States bestätigt werden sollte. Irre Bilder im Fernsehen – und wahrscheinlich auch vor Ort. Eine verrückte Zeit. May you live in interesting times. Ein Fluch.