Corona Files

Andi und Martin kämpfen gegen das Verschwinden an, so wird der private Corona-Schriftverkehr vollständig öffentlich gemacht.

Marathon-Lesung aller Files:
5. September 2020, ab 10 Uhr in der Galerie Freihausgasse Villach und als Online-Stream:
https://youtu.be/aq1eoVSFUwE

24112020-2036:M

Schon länger nichts mehr festgehalten, es erscheint mir wie eine Lähmung. Nicht nur, weil immer mehr Menschen in meinem Umfeld nun positiv getestet sind, sogar ein erster Todesfall im erweiterten Bekanntenkreis zu vermelden ist, sondern weil momentan soviel Negatives auch einstrahlt. Und vielleicht bin ich jetzt auch am Punkt, wo dieses Jahr mit all seinen Außergewöhnlichkeiten, tragischen Ereignissen und Vorfällen mich nun bricht, aber ich ertrage das gerade alles sehr schwer. Das meiste hat mit der Art zu tun, wie Menschen miteinander umgehen, die mir auffällt und wo ich mich vielleicht auch selbst wieder im Spiegel überprüfen sollte. Tja, alle haben Angst positiv zu sein und, es scheint so, sind deswegen noch negativer. Wie schön die deutsche Sprache ist, denke ich mir, diese Zufälle in den Bezeichnungen, vielleicht fehlt ihr aber auch nur etwas, eventuell fehlt hier nicht nur eine erweiterte Grammatik sondern es gibt auch Lücken im Wortschatz; aber dies nur nebenbei.
Die Krise bringt nicht die schönsten Seiten hervor und – wir haben es sicher schon unzählige Male festgestellt – es ist definitiv nicht so, dass das Gute gerade am gewinnen ist. Was mich weiterbringt zu: Der Dow Jones verzeichnet übrigens einen Rekordwert. Es gibt also Gewinner und sie unterscheiden sich wahrscheinlich nicht gravierend von den üblichen Typen, die auf der sunny side of life ihre Existenz auf dem Rücken anderer genießen.
„Im Grunde gut“ habe ich übrigens gerade fertiggelesen, abgesehen von der etwas missverständlichen Grundthese wirklich sehr interessant. Aber wie weiter? Welche Konsequenzen zieht man jetzt daraus, dass der Mensch eigentlich grundsätzlich gut ist, aber systemimmanent zu ungutem Handeln bewegt wird?
Ich frage weiter: Wann startet endlich die Revolution?! Und ich werde das weiterfragen, bis sie endlich losgebrochen ist. Gewaltlos, versteht sich, aber gründlich.

20112020-1347:A

Also der Nebel ist unser Freund.
Wenn man das Virus im Nebel aushustet, fällt es schnell zu Boden und kann so von spazierengehenden Lockdowndern zertreten werden.
Der Nebel ist aber auch unser Feind, denn wenn der Nebel die Felder und Wege vernebelt, gehen die Lockdowner weniger oft hinaus, bleiben öfter drinnen, im beheitzten Innen, wo der Raum eng und die Luft trocken ist und stecken sich dort an. Gegenseitig.
Nebel also Segen und Fluch is what I’m saying.

17112020-2124:M

Im Lockdown sind Buchläden natürlich auch zu, was aber insofern nicht das größte Problem ist, da gerade Bücher immer sehr schnell auch per Post geliefert werden (gerade vom lokalen Händler), ersetzt zwar nicht das Stöbern aber erhält die Leselust. Buchläden also zu, klar, alle helfen mit.
Waffengeschäfte haben allerdings offen, dürfen offen haben. Die Frage steht im Raum: Sind Waffen “Lebensmittel”? Sind sie Grundversorgung? Oder sind sie vielleicht gesellschaftsrelevant? Geht es der Regierung in dieser Ausnahme darum, dass sich die Leute für einen Bürgerkrieg rüsten? Oder ihren Nachbar im Lockdown erschießen können, wenn er sich zu weit nähert? Oder sind die Waffenläden geöffnet, um all jenen, denen es im Lockdown oder generell in der Pandemie schlecht geht, die Möglichkeit zu bieten, sich umzubringen? Und wenn die Antwort auf die letzte Frage mit JA beantwortet werden kann, geht es vielleicht auch darum dadurch die Arbeitslosenstatistik niedrig zu halten? Ja? Echt? Ja, echt, Waffengeschäfte haben tatsächlich offen.

16112020-2341:M

Ich bin ja selber schuld, dass ich mein Homeoffice am Küchentisch eingerichtet habe, aber mir tut wirklich schon der Rücken weh, sehr weh. Vor mir stehen 3 Computer, zwei davon sind uralt und ich versuche sie nebenbei für die Kinder und ihr Distance Learning herzurichten, was aber nicht so recht gelingen will, weil sie eben alt sind. Vielleicht hätte ich doch 1. in einen Arbeitsstuhl investieren sollen, was aber komisch aussehen würde am Küchentisch und 2. mich einfach für die nächsten Jahre verschulden und den Kids als Vorweihnachtsgeschenk einfach 2 neue Macbook Pros hinstellen sollen.

Alles alt, und funktioniert theoretisch, aber nicht praktisch. Deadline: Klassen-Videokonferenz in der Früh

16112020-1850:M

Ich verachte die Farbe türkis, sie ist scheußlich, grün kann ich auch immer weniger leiden, rot tut mir im Auge weh (außer ein sehr dunkles Rot, rotweinfarben). Ja, schwarz geht, schwarz geht jetzt wieder, schwarz geht eigentlich immer. Wo war ich?
Aja: Und ich habe mittlerweile wirklich eine Abneigung gegen das Wort „Kurz“ (egal, ob groß oder klein geschrieben) entwickelt und versuche es zu vermeiden. Mögliche Ausweichmöglichkeiten: short, bündig, lapidar, von geringer Größe, intensiv, verdichtet, zusammengefasst, ohne Umschweife, in wenigen Worten, schnell, flink, eben, rasch, knapp, temporär, vorübergehend,…

15112020-2259:M

Auffallend, wie Kinder ständig als Zumutung, als lästiger Aufwand, als Überforderung gesehen werden. Das erzählt wieder mal viel über unsere Gesellschaft, über unser Zusammenleben, so wie die Pandemie schon unglaublich viel noch offensichtlicher werden ließ. Wie falsch generell alles läuft, wie sehr wir in einem System leben, dass sich mit all seinen Fehlern und Ungerechtigkeiten künstlich am Leben hält. Ich fang jetzt nicht mit den Unternehmensförderungen an, von denen dann letztlich vor allem Amazon und Mc Donalds und Luxusgüter und weiters umweltfeindliche und verzichtbare Bereiche (Man denke zum Beispiel an die Flugindustrie) profitieren.
Auffallend, wie Kinder (immerhin unsere Nachkommen, immerhin diejenigen, die sich irgendwann mal um uns kümmern werden) am liebsten so wenig Aufwand wie möglich sein sollten. Vielleicht sehen das viele Eltern tatsächlich so. Gerade vorhin kam die Sprache wieder genau darauf, als Martin Thür in der heutigen ZIB 2 tatsächlich sagte, dass jetzt auf die Eltern wieder „eine wahnsinnige Belastung“ zukomme, wenn die Kinder zuhause sind, es lägen wieder „unangenehme Wochen“ vor den Familien. Ja, blöd, wenn jetzt die kleinen Mitbewohner, die noch nicht mal Miete zahlen und auch sonst wenig Plusgeschäft sind, wieder Wohnraum beanspruchen.
Natürlich nerven die Kinder oft, natürlich sind sie anstrengend, aber man hat sich doch meist bewusst für die Reproduktion seinerselbst entschieden und hoffentlich die Babyfaces ausgiebig bewundert und mit Liebe überschüttet. Natürlich will ich auch oft meine Ruhe, die mir die Kinder aber nicht gönnen wollen, aber diese Feindichkeit gegenüber ihnen kann ich nicht ganz aufbringen. Aber ich verstehe, wie es dazu kommt und hier zirkle ich wieder etwas zurück, denn in all den Zwängen in denen wir getrieben leben müssen, geht es mehr um Organisation und Termine als um Motivation und Freizeit. Und darin verliert man sich, auch oder gerade als Eltern, die mit der Zeit zum Hass, zur Abneigung gegen ihr eigenes Fleisch und Blut getrieben werden, völlig enerviert und frustriert.

Also nochmal: Alles zusperren, damit die Gesellschaft gesunden kann, und erst wieder aufsperren, wenn sich das System geändert hat.

15112020-1948:M

Ich habe heute mal einen Kuchen gebacken, morgen kaufe ich Hefe und sorge für die Brotbackwochen vor.. oder auch nicht. Denn ich weiß, ich muss, aber ich will nicht einkaufen gehen. Zuviele Leute, die sich beim Hofer um die Sportunterwäsche streiten oder um die letzten Popcorn-Riegel oder die schönsten Bananen und Weintrauben. Morgen ist noch ein Tag neue alte Normalität und Wahnsinn und ab übermorgen ist dann richtig Ausnahmezustand. Um mich von all dem abzulenken und ein bisschen wohlige Wärme und guten Geruch in unser Haus zu bringen, habe ich eben einen Kuchen gebacken. Zwetschken-Streusel-Kuchen, es war der wahrscheinlich einfachste Kuchen, den ich jemals gemacht habe, hier das Rezept:

150g Butter, 150 g Zucker, 300 g Mehl, 3 Eier, etwas Vanillezucker und Zwetschken (oder irgendeine andere ähnliche Frucht)

Zuerst haut man die Butter und den Zucker in einen Topf, erhitzt es, sodass man einen Zucker-Butterschleim bekommt, nimmt es vom Herd, damit es etwas auskühlt. Dann vermischt man das Mehl mit den Eiern und anschließend die Eiermehl-Gemisch mit dem Zucker-Butter-Gemisch (an dieser Stelle etwas Vanillezucker dazu oder Zimt, auf den ich leider vergessen habe, was mich etwas ärgert). Dann hat man so fettiges Bröselzeugs. – Jetzt wäre vielleicht ein guter Moment den Ofen auf 180° vorzuheizen. – Das fettige Bröselzeugs streicht man jetzt zum Großteil (ein bisschen bleibt erstmal übrig, das wird später zum Bestreuen gebraucht) in eine Form (bzw man quetscht es mit dem Löffel rein), sodass ein solider Boden entsteht. Darauf legt man dann die Früchte (am besten kleingeschnitten und entkernt). Jetzt streut man das übriggebliebene Bröselzeugs über die Früchte. Und dann gibt man das alles in den Ofen, für ungefähr 40 – 50 Minuten. Fertig!

Supereasy und auch sehr brauchbar um es mit den Kindern zusammen zu machen, wenn die Spaß daran haben, meine wollten leider nicht mithelfen.