Corona Files

Andi und Martin kämpfen gegen das Verschwinden an, so wird der private Corona-Schriftverkehr vollständig öffentlich gemacht.

Marathon-Lesung aller Files:
5. September 2020, ab 10 Uhr in der Galerie Freihausgasse Villach und als Online-Stream:
https://youtu.be/aq1eoVSFUwE

05082021-1323:M

Wir haben es in diesem Jahr tatsächlich ins Ausland geschafft, dies zwar mit Bedenken, ob das mit Durchreisen und Tests usw klappt, letztlich war es aber nur der enorme Stau, der unsere Einreise verzögerte. Aber wer hätte schon wissen können, dass wir ausgerechnet zum bayrischen Ferienbeginn Richtung Süden reisen – wir, wenn wir auch das nachgeschaut hätten. Aber jetzt sind wir da, in der Idylle, die uns im letzten Jahr im letzten Moment verwehrt wurde. Und das Wetter ist perfekt, während in Villach die Unwetter wüten, nicht ganz so verheerend wie in anderen Teilen Europas aber dennoch außergewöhnlich heftig (On the highway to Klimakatastrophe). In Villach wird außerdem gerade eine Impfkampagne mit dem Slogan „Sommerspritzer“ beworben (Irgendwas mit 0 Alkohol – 100% Schutz, oder ähnlich), was einen winzigen Sturm im Provinzwasserglas verursacht, offensichtlich, ob so ein Titel wohl angemessen ist für eine Impfkampagne. Sowenig Humor habe ich den Menschen zugetraut, soviel Humor habe ich der Stadt eigentlich nicht zugetraut. Zumindest wird darüber gesprochen. Wobei mir einfällt, dass ich wahrscheinlich nicht berichtet habe, dass ich schon geimpft bin, dass ich sogar schon zweimal geimpft wurde. Nachdem ich 5 Monate darauf gewartet habe, hatte ich im Juni meinen ersten und Mitte Juli meinen zweiten Termin, ich bin also, wie man nun so sagt, vollimmunisiert. Bei der zweiten Impfung schmiss es mich knappe 24 Stunden mit hohem Fieber ins Bett, aber ich habe es überlebt. Und durch den Mikrochip kann ich jetzt sogar schneller laufen und höre auf weite Distanzen. Scherz, nein, es ist alles beim Alten, ich fühle mich in mir nicht anders an als sonst, trage auch immer noch Maske, obwohl die Pflicht dazu in den meisten Läden bereits gefallen ist, und teste mich regelmäßig. In Europa geht das Gespenst der Delta-Variante um, die ansteckender und sogar für Geimpfte problematischer ist, und die Verschwörungstheorien blühen weiter. Lockdown wird es aber wohl keinen mehr geben, was ich weiter bedauere. Viele zweifeln an der vierten Welle, während andere sie schon erwarten, denn die Zahlen steigen. Ich genieße die nächsten Tage noch die Wellen im Meer bis ich wieder in die Tristesse zurück muss.

17072021-0046:M

I predict a riot. Oder anders I hope they´ll start soon.
Man kann es nur noch so ausdrücken: Man weiß gar nicht mehr, wo die alle „angrennt“ sein müssen. Nachdem die Pandemie in Ö für beendet erklärt wurde oder zumindest unter Kontrolle, nachdem der Kanzlerdarsteller jetzt die Pandemie als Privatangelegenheit bezeichnet hat und Öffnungen nicht nur angekündigt sondern auch vollzogen wurden, ist jetzt innerhalb kürzester Zeit wieder alles anders, zumindest fast alles. Die Zahlen steigen (welch Wunder). Jetzt gleich zu handeln ist sicher keine schlechte Idee, aber man darf sich dann doch wundern, was aus den Thinktanks und Experten-Politik-Echokammern nach außen verordnet wird. Jugendliche ab 12 dürfen geimpft werden, leider fehlt – zumindest in K – noch der Impfstoff, de facto fehlt also die Möglichkeit, und es sind auch zahlreiche Menschen über 40 noch nicht voll geimpft. Die böse Nachtgastronomie (das Virus springt bekanntlich am liebsten in der Nacht in der Gegend herum) hat mit neuen alten Einschränkungen zu kämpfen, spätestens in einer Woche, wenn sie in Kraft treten, denn dann heißt es: Man darf nur noch geimpft (Hatte man denn die Möglichkeit und das Angebot bereits?) oder mit PCR-Test in die sogenannte „Nachtgastronomie“, die – mutmaßlich – noch gar nicht so genau definiert ist. Problem (neben der Impfung) ist natürlich der PCR-Test, denn den kann man in Wien seit Monaten ganz unkompliziert und gratis machen, in den anderen Bundesländern jedoch nicht (Tja, das kam alles so schnell und man konnte doch nicht wissen …), dort kostet der Test, den man zB bei Ärzten machen kann, über € 100,-. Scheiße, wenn der Konzertbesuch dann nicht mehr nur 20€ für die Karten sondern schließlich über 120€ kostet, nicht nur für die BesucherInnen sondern wieder mal Scheiße für die VeranstalterInnen und letztlich die KünstlerInnen. Man möchte dieser Regierung ein tiefempfundendes FUCK YOU entgegenschleudern und ich hoffe, dass die jungen Menschen das jetzt herzlich machen. Denn erstens haben sie jetzt ewig mit den größten Einschränkungen leben müssen, am längsten auf die Impfung warten müssen (falls sie diese überhaupt schon in Sichtweite haben) und während man ihnen den Lokalbesuch am Wochenende jetzt unleistbar macht, wird eine Lockerung trotzdem, also trotz steigender Zahlen und andererseits sehr einschneidenden Einschränkungen, durchgezogen: Ab nächster Woche fällt die Maskenpflicht in vielen Bereichen, zB im Möbelhaus, wie Dr. Mückstein etwas verhalten aber doch kundtat. Das ist ein Witz! Nein, leider nicht. Ist ja logisch, klar, allerdings von einer konsequenten Logik, die geistig nicht nachvollziehbar ist, sondern eher an das Zocken am Casino-Tisch erinnert, also dort, wo die Leute mit Kohle immer am besten aussteigen, oder dort, wo die Geschäfte gemacht werden. Übrigens: Der Ibiza-Untersuchungsausschuss bzw die laufende Parodie davon ging am 15. Juli zu ende. Da hätte man Ergebnisse liefern können, aber auch dort ging es mehr darum, dass der, der am lautesten schreit und am skrupellosesten ist, sich letztlich mit seinen Interessen durchsetzt und dass im laufenden Chaos ein überlegtes, solidarisches und unkorrupierbares Handeln leider untergeht. Zuletzt gewinnen immer die Arschlöcher, das zu ändern, liegt jetzt vielleicht auch den jungen Menschen.

05062021-0752:M

Gestern wär es fast soweit gewesen. Über zwei Ecken und einen guten Freund hätte ich einen Impftermin bekommen, in Wien. 5 Monate nach meiner Anmeldung, nachdem bisher die ältere Bevölkerung geimpft wurde, aber auch ganz viel andere und vor allem auch jüngere, hat es in Kärnten immer noch nicht geklappt, eine Impfung zu bekommen. Man könnte das natürlich als Beweis für die Überalterung dieses Bundeslands nehmen oder auch für die Unfähigkeit der EntscheidungsträgerInnen oder es hat damit zu tun, dass Kärnten auch in diesem Punkt etwas benachteiligt wird, so wie auch Verordnungen erst spät auch nach Kärnten verschickt werden. Aber dafür bin ich zuwenig Patriot, dass ich jetzt Verschwörungstheorien wälzen würde, wobei vielleicht schon was dran ist, dass gewollt ist, dass die KärntnerInnen die Pizza lieber in Kärnten essen sollen, um die heimische Wirtschaft anzukurbeln. Was weiß man schon. Generell immer wenig.

Man weiß es nicht, ich weiß es nicht, man kann aber ohnehin nur warten oder eine Impfstation stürmen und sich selbst die Injektion setzen, auch keine Option. Aber schon interessant, dass diese Impfaktion wie vieles Andere irgendwie nicht so richtig und etwas chaotisch läuft, dass es auch hier nicht so läuft, wie es propagiert wird. Aber der Sebastian Kurz hat heute endlich seine Impfung bekommen, und das freut mich natürlich für den 35Jährigen Hochrisiko-Bundeskanzler. Mal abwarten.

05052021-0022:M

Es ist so, wie ich es prophezeit habe und ich bin gar nicht glücklich darüber, dass es sich erfüllt. Vielleicht ist es aber auch nur eine self-fulfilling prophecy und meine Wahrnehmung falsch, aber … Aber man bemerkt dann doch eine gewisse Nachlässigkeit der älteren Generation, von potentiell bereits geimpften MitbürgerInnen. Kaum schlägt die zweite Teilimpfung an, schon geht der Schlendrian los. Keine Maske (Senioren und Seniorinnen) oder keine FFP2-Maske (Seniorinnen), Maske unterm Kinn (Senioren). Abstandhalten war gestern, denkt sich die Dame hinter mir, die beim Hofer beim Auflegen ihrer Waren mit ihren 80 Jahren fast einen Lapdance an mir vollführt. „Was kann es mir schon schaden“, eine andere beim Eingang zum Diskonter, die auf das im letzten Jahr praktizierte Desinfizieren des Einkaufswagens leichten Herzens verzichtet. Vordrängeln geht nun auch wieder ohne Scham undsoweiterundsoweiter. Ich muss sagen, das fällt mir erst auf, seitdem ich Ende letzter Woche von Wien zurückgekehrt bin, wo auch generell noch eine ganz andere Ernsthaftigkeit im Umgang mit dem Virus herrscht. Kärnten ist einfach vielleicht wieder mal anders. Wahrscheinlich ist es tatsächlich nur eine eingeschränkte und eventuell falsche Wahrnehmung, aber diese führte heute dann sogar dazu, dass ich eine alte Frau tatsächlich angeschrien habe, was mir im Moment schon unangenehm war, aber immer noch sehr unangenehm ist und – kurz gesagt – es tut mir leid. Allerdings nicht wegen der alten Frau, geschätzte 73 Jahre, sondern wegen der Menschen rundherum, die das mitbekommen haben und wegen mir, weil ich mich nicht beherrschen konnte. Zuerst hat sich die Frau in der Apotheke mit einem überraschenden Selbstverständnis vor mehrere wartende KundInnen vorgedrängelt (Hey, kein Problem, alle wissen, dass es die älteren Herrschaften und Damen immer besonders eilig haben mit ihren ganzen Terminen…) und wollte dann einen Verband umtauschen, der offensichtlich bereits benutzt war und dessen Verpackung bereits beschädigt war. Die Apothekerin hat, nach Rücksprache mit ihren Kolleginnen (die Frau beutelte in der Zwischenzeit die Brösel, die in ihrem Papiersackerl waren, ungeniert auf dem Apothekenboden aus), dann sehr höflich probiert der Frau zu erklären, dass sie den Verband leider nicht zurücknehmen könne, woraufhin die Frau wild gestikulierend, die Trennscheibe verschiebend, schimpfend zusammenpackte und in dem Moment, wo alle dachten, „Endlich haut diese unangenehme Person ab“, nochmal kehrtmachte und, noch lauter schimpfend, die Apothekerin aggressiv anging, was ich mir ungefähr 20 Sekunden anhörte (ich habe tatsächlich leise gezählt, um diesen abstoßenden Akt ruhig abzuzählen und meine aufsteigende Ungehaltenheit abzufedern) und ihr dann sagte, dass sie doch freundlich mit der Apothekerin sprechen könne, sprechen sollte. Woraufhin sie auf mich zuschritt und mich anschrie, ich solle mich nicht einmischen, woraufhin ich wiederum leider sagen musste, dass sie sich zusammenreißen solle, woraufhin sie wieder etwas brüllte und dann kam ich dran, zahlte schnell, ging raus und die Frau leider nach (sofort ohne Maske) und schimpfte von hinten auf mich ein, woraufhin ich ihr leider entgegenbrüllen musste, sie solle doch zumindest den verdammten Abstand einhalten und ein wenig auf ihr Benehmen achten, was sie dazu veranlasste, zu drohen, sie hole jetzt die Polizei, woraufhin ich leider nachdrücklich (heißt laut) sagen musste, sie könne doch die Polizei holen, denn: Für was? Oder gegen was? Oder gegen wen? Dann nannte sie mich eine asoziale Rotzpipe (schreibt man das so?), woraufhin ich leider stehenbleiben musste und ihr in die Augen sah, 10 Sekunden (wieder mitgezählt, um mich zu beruhigen und eigentlich auch um zu überlegen, ob ich eine Gefängnisstrafe in Kauf nehmen solle und ihr die falschen Zähne aus dem Mund reißen könne), um dann weiterzugehen und sie mir weiter schimpfend nachging, woraufhin ich dann leider abbiegen musste und laut vor mich hinsagte: WIE KANN MAN NUR SO EIN VERDAMMTES ARSCHLOCH SEIN. Es tut mir wirklich leid, …. für alle, die das miterleben mussten, und es tut mir aber auch für mich leid, weil ich mich eben nicht Beherrschen konnte. Entschuldigung. Ich hoffe nicht, dass sich Zuviele der älteren Generation, nunmehr geimpft, zu einem Heer aus Arschlöchern entwickelt.

23042021-1753:M

Wenn ich wollen würde, gäbe es schon Mittel und Wege mich impfen zu lassen. Zum Beispiel bei einem Hausarzt, der nun unter Impfarzt firmiert. Aber meine Skrupel sind noch zu groß, jemandem die Impfdosis wegzuschnappen, der oder die es dringender braucht, vielleicht nach Mitte Mai dann, wenn angeblich alle Alten und RisikopatientInnen geimpft sein werden, angeblich. Ich rechne mit einem regulären Impftermin im Herbst, wenn das so weitergeht. Das wäre dann aber sehr spät, zu spät zum Beispiel für den Urlaub und die Überschreitung der Grenzen, die vielleicht nur mit grünem Pass passierbar sein könnten. Oder auch für den Zutritt ins Theater oder Kino, sollte dieser mit dem Impfpass verknüpft werden. Ich träume ja schon schlecht davon, dass man in den Cafes und Restaurants, auf den Strassen, in den Kultureinrichtungen nur noch Menschen über 70 antreffen könnte, oder im Club ravende Greise, weil die Jungen ja noch nicht dürfen. Das wäre lustig, aber irgendwie auch ein Alptraum.

23042021-1312:M

Es gibt soviel anzuregen, es gibt soviel, über das man sich aufregen könnte. Vielleicht wieder ein guter Zeitpunkt das chronologisch festzuhalten, auch dass bald alle (die es wollen) über 65 geimpft sein werden, mein Stich noch in weiter Ferne ist. Aber darum geht es nicht, es geht um das, wozu man gratis und mittlerweile tatsächlich fast jederzeit Zugang hat und das – naja, man könnte das teuer programmierte Anmeldesystem vielleicht noch etwas besser gestalten, aber … – auch relativ gut funktioniert: Testen. Testen, Testen, Testen hieß es ja. Ja, funktioniert. Termin machen, hingehen, anstehen, testen, testen, testen und wieder rausspazieren. Leitsystem, damit nicht zuviele, nicht zu gestaut. Seit einer Woche darf man unter 18 Jahren allerdings nicht mehr alleine zum Testen gehen. Wenn die Vierzehnjährige zum Testen geht, macht man also am besten gleich einen Familienausflug draus, egal, ob es gerade passt, man hat ja ohnehin unendlich Zeit. Ne, ernsthaft. Wem hat man diese neue scheiß Regel zu verdanken? Den Covidioten, die von Körperverletzung faseln? Oder der Fehleinschätzung, dass dann mehr zum Testen kommen (müssen)? OMG, ich kling schon selbst wie ein Wutbürger, aber es regt mich einfach so auf.

05042021-1912:M

Hey Hipster, Ökos und Bobos. Ihr bestellt wahrscheinlich auch andauernd Sachen, weil das schon so umkompliziert geht. Euer Essen bei Mjam, weil man ja keine Restaurants betreten darf und mit der Ausrede den Laden um die Ecke zu unterstützen, sich sein Frühstück, Mittagessen, Abendessen liefern lässt. Oder ihr habt, wie ich, euch Datteln bestellt, weil euch die Werbung auf Instagram angezeigt wurde und ihr euch dachtet: „Ich hab schon alles, also warum nicht mal um € 60,- 5 Kilogramm besondere Datteln bestellen“ oder Avocados vom Bauern aus Spanien oder was auch immer, es wird ohnehin schon alles zum Versand angeboten. Auf Stylo-Webseiten zu bestellen und angepriesen in flashigen Ads auf Social Media. Vorteil 1: Man muss nicht raus. Vorteil 2: Man kann seine Kaufentscheidung auch kurz vorm Schlafengehen treffen, und schnell noch Geld auf den Kopf hauen (nicht wörtlich) Vorteil 3: Vom Sofa aus kann man sich gut fühlen, weil man irgendwas Nachhaltiges unterstützt hat. Vorteil 4: Siehe Vorteil 1 & irgendein Bote schleppt die Pakete direkt vor die Haustür.
Wir bekamen letzte Woche einen Karton mit 5 Kilogramm Gemüse in einem Karton geliefert. Aber nicht irgendein Gemüse, sondern gerettetes Gemüse, das sonst weggeschmissen worden wäre, weil es zu klein, zu unförmig ist, weil diese Naturprodukte irgendwie nicht den Standards entsprechen. Ja, da gibt es eine Initiative oder eine Firma dafür, die hat eine schöne, in nachhaltigen Farben (Erdtöne, aufgehübscht durch ein paar coole grelle Farben) gestaltete Website mit netten Illustrationen und der immer wieder auftauchenden Versicherung, dass man was Gutes tue. Da kann man ein Abo abschließen, alle 2 Wochen bekommt man dann einen Karton mit „gerettetem Gemüse“. Nachdem ich heute Mittag 3 verschimmelte Rüben und ca. 11 Karotten, die neben gezählten 8 Kartoffeln in diesem Abo-Karton für 15€ inkl Versand enthalten waren weggeschmissen habe und von den Kartoffeln, die völlig holzig waren, auch die Hälfte weggeschnitten hatte, hab ich mir ausgemalt, was hinter vielen dieser geilen, schicken und verantwortungsbewussten Firmen steckt: Ein Geschäftsmodell. Gar nicht so unkluge Bobos hatten irgendwann die supersteile Idee Gemüse, das tatsächlich niemand haben will, tonnenweise für quasi Kein-Geld anzukaufen und dann in absurd große Kartons kleine Schnittmengen des Gemüses zu packen, einen netten Sticker draufzukleben und für das tausendfache des Ankaufspreis an Hipster, Ökos und Bobos zu verkaufen. Wenn ihr im siebten Bezirk in Wien lebt, könnte es sogar sein, dass sie sich in der Wohnung nebenan die Hände über soviel Dummheit der Menschen, die sich ein gutes Gewissen erkaufen wollen, reiben. Und froh sind, dass bald niemand mehr auf die Idee kommt, einfach zum nächsten Bauern oder Markt zu gehen.
Ich bin völlig überzeugt, dass es exakt so ist.
Wahrscheinlich auch mit dem Ökoreiniger, der weder besser putzt noch wirklich umweltschonender ist, weil die kleinen süßen Tabs mit der Zitrone drauf irgendwo in Bangladesch unter ärgsten Bedingungen gepresst werden, während die Besitzer der Ökofirma gerade Yoga auf den Bahamas machen.
Und dieses Müsli, dass dreimal soviel kostet wie ein Bio-Müsli vom Bauern oder fünfmal soviel wie im Supermarkt, liebe Mitgefangene der nachhaltigen Warenwelt, das ihr mit Kamut-Herzchen aufgepeppt habt und dem ihr so einen herzigen Namen gegeben habt, ist letztlich auch nur ein teurer Spaß.


P.S.: Getrocknete Jackfruit schmeckt nur deswegen nicht ganz scheiße, weil soviel Zucker draufgekippt wird, damit man in das zähe Zeug überhaupt reinbeißen kann. Warum sollte man da essen? Warum sollte man für einen 100g-Beutel, eingelogen, äh, eingeflogen aus Sri Lanka (Firma ansässig in Deutschland) dieser Frucht – was ist das überhaupt für eine beknackte Frucht?! – dann € 3,- (Ein halber Kilo der getrockneten Frucht also € 15,-) zahlen?!

02042021-1902:M

In den letzten Tagen war es so heiß, dass sich schon alles wie Sommer anfühlte. Ungewöhnlich für Ende März, wie ich mir bereitwillig von den WetterexpertInnen erzählen lasse, weil ich mir den Untergang der Menschheit durch den Klimawandel (oder Klimakatastrophe? Oder wie?) auch schon vergegenwärtige. Aber das ist wohl ein anderes Thema, wie auch der Hinweis auf den Zusammenhang und aber auch die Unterschiede zwischen Wetter und Klima. Auf jeden Fall könnten wir in 30 Jahren ganz andere klimatische Verhältnisse in unseren Breiten haben, und haben dies aber eigentlich schon jetzt, fühlbar.
Faszinierenderweise verbringen meine Kinder gerade die so heißen, sonnigen Tagen im Haus, teilweise mit zugezogenen Jalousien. Gut, sie stehen erst gegen 13 Uhr auf und brauchen dann noch Stunden bis sie im Tag ankommen, solange, dass der Tag auch schon wieder vorbei ist. Aber kein Wunder, denn dafür machen sie auch die Nacht zum Tag, wahrscheinlich habe ich das in ihrem Alter auch gemacht. Ich frage mich nur, was sie eigentlich machen, während ich schon im Bett wegpenne. Als verantwortungsbewusster Elternteil sollte ich das wissen, vielleicht müsste ich sie einfach mal fragen. Ich weiß ja auch gar nicht, was ich daran so außergewöhnlich finde, dass sie die Sonnenstunden meiden, auch für mich war das immer ein Prinzip, erst bei Sonnenuntergang nach draußen zu treten, weil es mir schlichtweg zu heiß und zu grell war. Mit Annäherung an mein 40. Lebensjahr musste ich allerdings feststellen, dass ich mich tatsächlich auch gerne draußen aufhalte, wegen der frischen Luft und, tja, auch wegen der Sonne. Das ist ungewöhnlich, denn ich hasse Sonne, wirklich, aber wo Sonne ist, ist auch Schatten und dort findet man mich momentan. Das beschäftigt mich, denn es muss tatsächlich was mit dem Alter (oder Altern) zu tun haben, allerdings hat das noch nicht dazu geführt, dass ich Salat mit Essig mag (ein Kindheitstrauma!) und weiter von Watte völlig abgestoßen bin (Was würde so ein Trauma auslösen?), was mich überlegen lässt, warum ich jetzt überhaupt über meine Abneigungen nachdenke. Aja, es war die Sonne. Heute hat sie sich übrigens nicht gezeigt.

02042021-1324:M

Es ist gerade wieder so eine Zeit, wo ich mich ständig frage: Was mache ich noch machen? Wem habe ich versprochen, dass ich mich melde oder zurückrufe? Wem bin ich noch was schuldig und bis wann? Und deshalb entschuldige ich mich andauernd, dass ich schon wieder was übersehen habe?
Wann hören die Anrufe? Wann hören die emails? Die Nachrichten in den ganzen Message-Apps endlich wieder auf?!