Corona Files

Andi und Martin kämpfen gegen das Verschwinden an, so wird der private Corona-Schriftverkehr vollständig öffentlich gemacht.

Marathon-Lesung aller Files:
5. September 2020, ab 10 Uhr in der Galerie Freihausgasse Villach und als Online-Stream:
https://youtu.be/aq1eoVSFUwE

05052021-0022:M

Es ist so, wie ich es prophezeit habe und ich bin gar nicht glücklich darüber, dass es sich erfüllt. Vielleicht ist es aber auch nur eine self-fulfilling prophecy und meine Wahrnehmung falsch, aber … Aber man bemerkt dann doch eine gewisse Nachlässigkeit der älteren Generation, von potentiell bereits geimpften MitbürgerInnen. Kaum schlägt die zweite Teilimpfung an, schon geht der Schlendrian los. Keine Maske (Senioren und Seniorinnen) oder keine FFP2-Maske (Seniorinnen), Maske unterm Kinn (Senioren). Abstandhalten war gestern, denkt sich die Dame hinter mir, die beim Hofer beim Auflegen ihrer Waren mit ihren 80 Jahren fast einen Lapdance an mir vollführt. „Was kann es mir schon schaden“, eine andere beim Eingang zum Diskonter, die auf das im letzten Jahr praktizierte Desinfizieren des Einkaufswagens leichten Herzens verzichtet. Vordrängeln geht nun auch wieder ohne Scham undsoweiterundsoweiter. Ich muss sagen, das fällt mir erst auf, seitdem ich Ende letzter Woche von Wien zurückgekehrt bin, wo auch generell noch eine ganz andere Ernsthaftigkeit im Umgang mit dem Virus herrscht. Kärnten ist einfach vielleicht wieder mal anders. Wahrscheinlich ist es tatsächlich nur eine eingeschränkte und eventuell falsche Wahrnehmung, aber diese führte heute dann sogar dazu, dass ich eine alte Frau tatsächlich angeschrien habe, was mir im Moment schon unangenehm war, aber immer noch sehr unangenehm ist und – kurz gesagt – es tut mir leid. Allerdings nicht wegen der alten Frau, geschätzte 73 Jahre, sondern wegen der Menschen rundherum, die das mitbekommen haben und wegen mir, weil ich mich nicht beherrschen konnte. Zuerst hat sich die Frau in der Apotheke mit einem überraschenden Selbstverständnis vor mehrere wartende KundInnen vorgedrängelt (Hey, kein Problem, alle wissen, dass es die älteren Herrschaften und Damen immer besonders eilig haben mit ihren ganzen Terminen…) und wollte dann einen Verband umtauschen, der offensichtlich bereits benutzt war und dessen Verpackung bereits beschädigt war. Die Apothekerin hat, nach Rücksprache mit ihren Kolleginnen (die Frau beutelte in der Zwischenzeit die Brösel, die in ihrem Papiersackerl waren, ungeniert auf dem Apothekenboden aus), dann sehr höflich probiert der Frau zu erklären, dass sie den Verband leider nicht zurücknehmen könne, woraufhin die Frau wild gestikulierend, die Trennscheibe verschiebend, schimpfend zusammenpackte und in dem Moment, wo alle dachten, „Endlich haut diese unangenehme Person ab“, nochmal kehrtmachte und, noch lauter schimpfend, die Apothekerin aggressiv anging, was ich mir ungefähr 20 Sekunden anhörte (ich habe tatsächlich leise gezählt, um diesen abstoßenden Akt ruhig abzuzählen und meine aufsteigende Ungehaltenheit abzufedern) und ihr dann sagte, dass sie doch freundlich mit der Apothekerin sprechen könne, sprechen sollte. Woraufhin sie auf mich zuschritt und mich anschrie, ich solle mich nicht einmischen, woraufhin ich wiederum leider sagen musste, dass sie sich zusammenreißen solle, woraufhin sie wieder etwas brüllte und dann kam ich dran, zahlte schnell, ging raus und die Frau leider nach (sofort ohne Maske) und schimpfte von hinten auf mich ein, woraufhin ich ihr leider entgegenbrüllen musste, sie solle doch zumindest den verdammten Abstand einhalten und ein wenig auf ihr Benehmen achten, was sie dazu veranlasste, zu drohen, sie hole jetzt die Polizei, woraufhin ich leider nachdrücklich (heißt laut) sagen musste, sie könne doch die Polizei holen, denn: Für was? Oder gegen was? Oder gegen wen? Dann nannte sie mich eine asoziale Rotzpipe (schreibt man das so?), woraufhin ich leider stehenbleiben musste und ihr in die Augen sah, 10 Sekunden (wieder mitgezählt, um mich zu beruhigen und eigentlich auch um zu überlegen, ob ich eine Gefängnisstrafe in Kauf nehmen solle und ihr die falschen Zähne aus dem Mund reißen könne), um dann weiterzugehen und sie mir weiter schimpfend nachging, woraufhin ich dann leider abbiegen musste und laut vor mich hinsagte: WIE KANN MAN NUR SO EIN VERDAMMTES ARSCHLOCH SEIN. Es tut mir wirklich leid, …. für alle, die das miterleben mussten, und es tut mir aber auch für mich leid, weil ich mich eben nicht Beherrschen konnte. Entschuldigung. Ich hoffe nicht, dass sich Zuviele der älteren Generation, nunmehr geimpft, zu einem Heer aus Arschlöchern entwickelt.

23042021-1753:M

Wenn ich wollen würde, gäbe es schon Mittel und Wege mich impfen zu lassen. Zum Beispiel bei einem Hausarzt, der nun unter Impfarzt firmiert. Aber meine Skrupel sind noch zu groß, jemandem die Impfdosis wegzuschnappen, der oder die es dringender braucht, vielleicht nach Mitte Mai dann, wenn angeblich alle Alten und RisikopatientInnen geimpft sein werden, angeblich. Ich rechne mit einem regulären Impftermin im Herbst, wenn das so weitergeht. Das wäre dann aber sehr spät, zu spät zum Beispiel für den Urlaub und die Überschreitung der Grenzen, die vielleicht nur mit grünem Pass passierbar sein könnten. Oder auch für den Zutritt ins Theater oder Kino, sollte dieser mit dem Impfpass verknüpft werden. Ich träume ja schon schlecht davon, dass man in den Cafes und Restaurants, auf den Strassen, in den Kultureinrichtungen nur noch Menschen über 70 antreffen könnte, oder im Club ravende Greise, weil die Jungen ja noch nicht dürfen. Das wäre lustig, aber irgendwie auch ein Alptraum.

23042021-1312:M

Es gibt soviel anzuregen, es gibt soviel, über das man sich aufregen könnte. Vielleicht wieder ein guter Zeitpunkt das chronologisch festzuhalten, auch dass bald alle (die es wollen) über 65 geimpft sein werden, mein Stich noch in weiter Ferne ist. Aber darum geht es nicht, es geht um das, wozu man gratis und mittlerweile tatsächlich fast jederzeit Zugang hat und das – naja, man könnte das teuer programmierte Anmeldesystem vielleicht noch etwas besser gestalten, aber … – auch relativ gut funktioniert: Testen. Testen, Testen, Testen hieß es ja. Ja, funktioniert. Termin machen, hingehen, anstehen, testen, testen, testen und wieder rausspazieren. Leitsystem, damit nicht zuviele, nicht zu gestaut. Seit einer Woche darf man unter 18 Jahren allerdings nicht mehr alleine zum Testen gehen. Wenn die Vierzehnjährige zum Testen geht, macht man also am besten gleich einen Familienausflug draus, egal, ob es gerade passt, man hat ja ohnehin unendlich Zeit. Ne, ernsthaft. Wem hat man diese neue scheiß Regel zu verdanken? Den Covidioten, die von Körperverletzung faseln? Oder der Fehleinschätzung, dass dann mehr zum Testen kommen (müssen)? OMG, ich kling schon selbst wie ein Wutbürger, aber es regt mich einfach so auf.

05042021-1912:M

Hey Hipster, Ökos und Bobos. Ihr bestellt wahrscheinlich auch andauernd Sachen, weil das schon so umkompliziert geht. Euer Essen bei Mjam, weil man ja keine Restaurants betreten darf und mit der Ausrede den Laden um die Ecke zu unterstützen, sich sein Frühstück, Mittagessen, Abendessen liefern lässt. Oder ihr habt, wie ich, euch Datteln bestellt, weil euch die Werbung auf Instagram angezeigt wurde und ihr euch dachtet: „Ich hab schon alles, also warum nicht mal um € 60,- 5 Kilogramm besondere Datteln bestellen“ oder Avocados vom Bauern aus Spanien oder was auch immer, es wird ohnehin schon alles zum Versand angeboten. Auf Stylo-Webseiten zu bestellen und angepriesen in flashigen Ads auf Social Media. Vorteil 1: Man muss nicht raus. Vorteil 2: Man kann seine Kaufentscheidung auch kurz vorm Schlafengehen treffen, und schnell noch Geld auf den Kopf hauen (nicht wörtlich) Vorteil 3: Vom Sofa aus kann man sich gut fühlen, weil man irgendwas Nachhaltiges unterstützt hat. Vorteil 4: Siehe Vorteil 1 & irgendein Bote schleppt die Pakete direkt vor die Haustür.
Wir bekamen letzte Woche einen Karton mit 5 Kilogramm Gemüse in einem Karton geliefert. Aber nicht irgendein Gemüse, sondern gerettetes Gemüse, das sonst weggeschmissen worden wäre, weil es zu klein, zu unförmig ist, weil diese Naturprodukte irgendwie nicht den Standards entsprechen. Ja, da gibt es eine Initiative oder eine Firma dafür, die hat eine schöne, in nachhaltigen Farben (Erdtöne, aufgehübscht durch ein paar coole grelle Farben) gestaltete Website mit netten Illustrationen und der immer wieder auftauchenden Versicherung, dass man was Gutes tue. Da kann man ein Abo abschließen, alle 2 Wochen bekommt man dann einen Karton mit „gerettetem Gemüse“. Nachdem ich heute Mittag 3 verschimmelte Rüben und ca. 11 Karotten, die neben gezählten 8 Kartoffeln in diesem Abo-Karton für 15€ inkl Versand enthalten waren weggeschmissen habe und von den Kartoffeln, die völlig holzig waren, auch die Hälfte weggeschnitten hatte, hab ich mir ausgemalt, was hinter vielen dieser geilen, schicken und verantwortungsbewussten Firmen steckt: Ein Geschäftsmodell. Gar nicht so unkluge Bobos hatten irgendwann die supersteile Idee Gemüse, das tatsächlich niemand haben will, tonnenweise für quasi Kein-Geld anzukaufen und dann in absurd große Kartons kleine Schnittmengen des Gemüses zu packen, einen netten Sticker draufzukleben und für das tausendfache des Ankaufspreis an Hipster, Ökos und Bobos zu verkaufen. Wenn ihr im siebten Bezirk in Wien lebt, könnte es sogar sein, dass sie sich in der Wohnung nebenan die Hände über soviel Dummheit der Menschen, die sich ein gutes Gewissen erkaufen wollen, reiben. Und froh sind, dass bald niemand mehr auf die Idee kommt, einfach zum nächsten Bauern oder Markt zu gehen.
Ich bin völlig überzeugt, dass es exakt so ist.
Wahrscheinlich auch mit dem Ökoreiniger, der weder besser putzt noch wirklich umweltschonender ist, weil die kleinen süßen Tabs mit der Zitrone drauf irgendwo in Bangladesch unter ärgsten Bedingungen gepresst werden, während die Besitzer der Ökofirma gerade Yoga auf den Bahamas machen.
Und dieses Müsli, dass dreimal soviel kostet wie ein Bio-Müsli vom Bauern oder fünfmal soviel wie im Supermarkt, liebe Mitgefangene der nachhaltigen Warenwelt, das ihr mit Kamut-Herzchen aufgepeppt habt und dem ihr so einen herzigen Namen gegeben habt, ist letztlich auch nur ein teurer Spaß.


P.S.: Getrocknete Jackfruit schmeckt nur deswegen nicht ganz scheiße, weil soviel Zucker draufgekippt wird, damit man in das zähe Zeug überhaupt reinbeißen kann. Warum sollte man da essen? Warum sollte man für einen 100g-Beutel, eingelogen, äh, eingeflogen aus Sri Lanka (Firma ansässig in Deutschland) dieser Frucht – was ist das überhaupt für eine beknackte Frucht?! – dann € 3,- (Ein halber Kilo der getrockneten Frucht also € 15,-) zahlen?!

02042021-1902:M

In den letzten Tagen war es so heiß, dass sich schon alles wie Sommer anfühlte. Ungewöhnlich für Ende März, wie ich mir bereitwillig von den WetterexpertInnen erzählen lasse, weil ich mir den Untergang der Menschheit durch den Klimawandel (oder Klimakatastrophe? Oder wie?) auch schon vergegenwärtige. Aber das ist wohl ein anderes Thema, wie auch der Hinweis auf den Zusammenhang und aber auch die Unterschiede zwischen Wetter und Klima. Auf jeden Fall könnten wir in 30 Jahren ganz andere klimatische Verhältnisse in unseren Breiten haben, und haben dies aber eigentlich schon jetzt, fühlbar.
Faszinierenderweise verbringen meine Kinder gerade die so heißen, sonnigen Tagen im Haus, teilweise mit zugezogenen Jalousien. Gut, sie stehen erst gegen 13 Uhr auf und brauchen dann noch Stunden bis sie im Tag ankommen, solange, dass der Tag auch schon wieder vorbei ist. Aber kein Wunder, denn dafür machen sie auch die Nacht zum Tag, wahrscheinlich habe ich das in ihrem Alter auch gemacht. Ich frage mich nur, was sie eigentlich machen, während ich schon im Bett wegpenne. Als verantwortungsbewusster Elternteil sollte ich das wissen, vielleicht müsste ich sie einfach mal fragen. Ich weiß ja auch gar nicht, was ich daran so außergewöhnlich finde, dass sie die Sonnenstunden meiden, auch für mich war das immer ein Prinzip, erst bei Sonnenuntergang nach draußen zu treten, weil es mir schlichtweg zu heiß und zu grell war. Mit Annäherung an mein 40. Lebensjahr musste ich allerdings feststellen, dass ich mich tatsächlich auch gerne draußen aufhalte, wegen der frischen Luft und, tja, auch wegen der Sonne. Das ist ungewöhnlich, denn ich hasse Sonne, wirklich, aber wo Sonne ist, ist auch Schatten und dort findet man mich momentan. Das beschäftigt mich, denn es muss tatsächlich was mit dem Alter (oder Altern) zu tun haben, allerdings hat das noch nicht dazu geführt, dass ich Salat mit Essig mag (ein Kindheitstrauma!) und weiter von Watte völlig abgestoßen bin (Was würde so ein Trauma auslösen?), was mich überlegen lässt, warum ich jetzt überhaupt über meine Abneigungen nachdenke. Aja, es war die Sonne. Heute hat sie sich übrigens nicht gezeigt.

02042021-1324:M

Es ist gerade wieder so eine Zeit, wo ich mich ständig frage: Was mache ich noch machen? Wem habe ich versprochen, dass ich mich melde oder zurückrufe? Wem bin ich noch was schuldig und bis wann? Und deshalb entschuldige ich mich andauernd, dass ich schon wieder was übersehen habe?
Wann hören die Anrufe? Wann hören die emails? Die Nachrichten in den ganzen Message-Apps endlich wieder auf?!

22032021-1845:M

Oi. Neue Pressekonferenz, keine neuen Ergebnisse. Alles wie gehabt und am Weg. Schulterklopfen, funktioniert. Schlagworte: Impfen, Testen, Testen und noch zehnmal Testen, britische Variante und südafrikanische Mutation, alles im Griff. Die nächsten zwei Wochen werden nochmal entscheidend sein. Wobei soweit bin ich nicht mehr mitgegangen, nach 40 Minuten Pressekonferenz war der Erkenntnisgewinn enden wollend, und ich habe jetzt abgeschaltet.
Vielleicht ist einfach der Druck zu groß, von den Landeshauptleuten, die ihren Leuten rasch ein unbeschwertes Leben zurückgeben wollen, auch wenn der Preis dafür der Tod ist. Aber vielleicht sehe ich einfach zu schwarz, ich bin ja auch kein Experte, nicht so ein Experte, wie die Expeten (sic!) der Regierung. Vielleicht sollte ich einfach alles etwas türkiser sehen oder grüner. Grünes Licht für alle! Jetzt! Sofort! Ist ja nicht mehr auszuhalten.
Ich denke daran, dass – vielleicht hab ich das schonmal ähnlich gesagt – wir tatsächlich gewillt sind, uns zu dezimieren, nur um zu konsumieren. Ich denke daran, dass unsere Fixierung auf steigende Zugewinne nicht in allen Bereichen gelten sollte. Ja, die Zahlen steigen, die Krankenhausaufenthalte, die Intensivstationenpatientinnen, die Börsenkurse steigen auch, nur im Geldbörserl wird immer weniger, weil für die Mehrheit doch nix zu gewinnen ist, während sie um ihren Job bangen, weil die sichere Beschäftigung für viele immer weiter rausgezögert wird, damit wenige weiter arbeiten können, weiter verkaufen können, an immer weniger, die sich noch was leisten können. Und nicht jeder will sich eine Pressekonferenz leisten, die man sich sparen könnte.

20052021-1948:M

Den Jahrestag haben wir verpasst, sowieso nicht gefeiert. Ist es, weil wir irgendwie eingeschlafen sind, weil wir nach einem Jahr Pandemie schon müde sind oder – schlimmer – weil wir schon lethargisch sind? Spätestens mit Jahresende 2020 war klar, dass es noch nicht vorbei ist, war auffallend, dass immer mehr Menschen wegbrachen, also sich mit dem Aufraffen schon etwas schwer tun. Mir fehlt die Kunst, mir fehlt der Besuch von Theatern, wo hinter verschlossenen Türen teilweise und ohne Perspektive geprobt und höchstens noch gestreamt wird. Und deswegen werde ich mich am 1. April (kein Scherz) sechs Stunden in einen Zug setzen, um zu einer Premiere zu fahren. So ganz kann ich es noch nicht glauben, aber der Teil von Österreich, wo die Premiere stattfinden wird, ist gerade der einzige, wo es zumindest aktuell erlaubt wäre. Und schon bin ich überfordert. Karten buchen, Tickets buchen, Hotel buchen. Wo kann ich mich zeitnah testen? Wieviel FFP2-Masken und wieviel Liter Desinfektionsmittel muss ich mitnehmen? Fühlt sich jetzt schon stressig an, stundenlang im Zug zu sitzen und mein Gedanken kreisen seit Tagen allein um die Angst, dass der Zug Verspätung hat und ich die Vorstellung verpasse, also völlig umsonst so lange und so weit gereist sein könnte. Das lähmt mich so sehr, dass ich noch nichts gebucht habe. Vielleicht ist die Premiere jetzt auch schon ausgebucht…

2602021-2119:M

Schauen wir mal, dann werden wir schon sehen. Oder ähnlich, heißt es ja. Ich habe so lange seit dem letzten Eintrag gewartet, dass ich gar nicht mehr wusste, wie ich die Betitelung richtig mache, vielleicht ist sie auch falsch. Was ist seit der letzten Folge passiert, ein kurzer Abriss: Frisöre und Nagelstudios durften wieder aufsperren, Leute dürfen sich wieder die Haare oder Fußnägel machen lassen, wenn sie nachweisen, dass sie in den letzten 48 Stunden coronanegativ (ist das schon ein Adjektiv?) waren. Man darf wieder shoppen gehen und die Leute nutzen die Gelegenheit. Baumärkte, Bekleidungsgeschäfte und nicht zuletzt Buchläden haben wieder offen. Ersteres und Letzteres hat sogar mir jetzt schon Geld aus der Tasche gezogen. Die Zahlen steigen aber wieder ordentlich – vielleicht auch nur, weil soviel getestet wird. Man weiß es nicht, oder vielleicht weiß man es schon, aber es wird nicht verkündet. Wann war eigentlich die letzte Pressekonferenz? Wann ist die nächste? Theater und Kulturinstitutionen (außer Museen und Galerien) haben weiter zu, noch immer ohne Perspektive.
Nun liegen FFP2-Masken überall herum, also ähnlicher Müll wie in den letzten Monaten, nur jetzt etwas teurer. Ich hatte einen kurzen Moment, wo ich eine aufheben wollte, weil ich gerade keine dabeihatte, es hat mich dann doch gegraust und ich hab mich daran erinnern müssen, für was diese Masken überhaupt sind oder was in ihnen vielleicht schlummert. Für einen Moment hatte ich also die Gefahr verdrängt gehabt. Cluster gibt es übrigens in Schulen, Kindergärten, Firmen, Dörfern und Städten, ganze Regionen wurden abgeriegelt, auch die Grenzen nach Österreich sind zu, Deutschland ist da zum Beispiel rigoros. Kärnten ist zahlentechnisch fast Spitzenreiter, wie man so sagt, der Bezirk Hermagor dürfte bald immun sein, weil sich dort bald alle angesteckt haben werden, wenn dies nicht bereits geschehen ist. Man fährt trotzdem weiter Ski, auch der Landeshauptmann sieht keinen Grund einzugreifen, Hermagor wird nicht abgeriegelt. Spekuliert wird, dass das mit den anstehenden Wahlen in Zusammenhang steht, aber wer weiß schon, was die Politik so treibt und denkt und …
Und: Die ÖVP ist irgendwie doch in der #oevpkrise. Hausdurchsuchung beim Finanzminister, ein schwarzer Verfassungsrichter ist jetzt auch seinen Laptop los, irgendwie sind überdurchschnittlich viele Politiker, der ehemals konservativen, der ehemals christlichen Partei in Skandale verstrickt; ich muss jetzt schreiben: potentiell in Skandale, in Korruptionsskandale verstrickt, ich muss das schreiben, weil sonst wird man verklagt und auf der Seite des Innenministeriums namentlich an den Pranger gestellt, vielleicht schickt der Innenminister auch gleich die WEGA. Man weiß nie, was in Österreich alles möglich ist, aber man würde sich nicht wundern. Für alle gilt die Unschuldsvermutung, zumindest solange nicht das Gegenteil bewiesen werden konnte und das kann noch länger dauern. Den Reichen reicht´s und dieses schöne System, wo eine Hand die andere wäscht, darf doch noch nicht enden, wo man sich doch so gut reingespendet hat in die Machtzentralen. Nein, natürlich muss noch nicht mal eine Spende geflossen sein, für Kumpel macht man kleine Gefallen auch ohne Gegenleistung, denn wer weiß, wo man nach seiner Politikkarriere unterkommen muss und dann hat man immer noch mehrere Gefallen offen. Corona ist also gerade eher Nebenthema, ist nicht so wichtig und auch gar nicht mehr spannend, alle sind schon pandemiemüde (Ist das schon in den Duden aufgenommen?). Aja, Kinder wurden abgeschoben, wie nunmal ständig auch Kinder abgeschoben werden, aber jetzt bekam das gerade etwas mehr Aufmerksamkeit. Aja, Impfstoff ist leider auch zuwenig da, ich rechne mit einer Impfung für uns im Herbst …. 2022. Aja, ab Montag gibt es gratis Tests in den Apotheken, allerdings natürlich auch zu wenige für alle und selbst wenn, viele sind von diesem Gratisprogramm überhaupt ausgeschlossen. Tja, was war noch? Starmania läuft gerade, eine neue Staffel, auch eine mittlere Sensation und ich denke daran, dass das ideales Ablenkfernsehen ist. Ich würde ja unterstellen, dass die ÖVP das kurzfristig im ORF in Auftrag gegeben hat, um von ihrer Krise abzulenken, vielleicht auch von der Korruption, sofern sie die ÖVP betrifft (ich muss das so ungelenk schreiben, sonst kommt das Anwaltschreiben), aber das wäre eine Unterstellung und die #oevp ist so tief in der #oevpkrise, dass man sie nicht mit noch einem Skandal beschäftigen will. Stay tuned, was demnächst im Staatsfernsehen läuft, in einer Viertelstunde die ZIB2 zum Beispiel.