Ich sage mal: Tag 12. Geschätzt, ich weiß es ehrlich gesagt nicht und will nicht nachzählen. Mir sind auch die Wochentage verlorengegangen, ist auch völlig irrelevant. Bisher hatten die Supermärkte immer offen, wenn ich rausging und ich gehe nicht mehr oft hinaus. Kaufe das Notwendigste ein, sogenannte Grundlebensmittel, inklusive dem allseits beliebten Klopapier, und jede Menge Süßigkeiten und Knabbereien, also Luxusgüter. Der Einkaufswagen ist dann doch meistens bis obenhin gefüllt und die Blicke an der Kassa sind von Verachtung getragen, einerseits weil ich die den Bezahlvorgang aufhalte und andererseits weil mir in diesen Blicken unterstellt wird, ich sei ein klebengebliebener Hamster-Einkäufer oder Prepper, dabei habe ich einfach soviele hungrige Mäuler zu stopfen. Mal schauen, wie lange wir uns noch Avocados leisten können. Man hört im Moment, dass der Ausnahmezustand sich noch länger hinziehen wird, dass die Schulpause, dass die Einkaufssperren noch verlängert werden. Man hört viel. Währenddessen wird der Überwachungsstaat überall ausgebaut, was in den letzten Jahren selbst mit großer Anstrengung den Herrschenden nicht gelang, wird nun vollendet. Überwachung der Mobilfunkdaten um Bewegungsprofile zu erstellen. Drosselung des Internetverkehrs. Kommunikationsbeschränkungen, Ausgehsperren. In China flogen Drohnen, in Großbritannien fliegen Drohnen, auch in Österreich werden sie schon eingesetzt. Ja, eh, man muss alles versuchen, um die Pandemie einzudämmen, und man kann noch nicht vom Ende der Demokratie sprechen, aber es bleibt unheimlich.Wenn die Krise vorbei ist, sind wir im Big Brother-Land, wahrscheinlich schon früher. Warum erfüllen sich eigentlich immer die Dystopien? Warum erfüllen sich nie die Utopien? Ja, du hast oben richtig gelesen, ich habe von „Herrschenden“ gesprochen. Aber nicht, weil ich jetzt auch unter die Verschwörungstheoretiker gegangen bin, sondern weil ich glaube, es ist an der Zeit wieder klar Stellung zu beziehen. Klassenkampf gegen die Klassenclowns a la Trump und Johnson, gegen Firmen und Personen, die selbst in der Krise noch dazugewinnen, gegen das Ungleichgewicht, in dem die vielen mit Konten, auf dem am Ende des Monats nichts oder weniger drauf ist, auf einer Seite der Waage stehen und auf der anderen Seite, hochgehoben, die wenigen, die ihr Vermögen gar nicht mehr zählen können, weil es ständig wächst. Und diesen Zustand haben „die Herrschenden“ die letzten Jahrzehnte zementiert. 

Siehst du, ich bin gar nicht so positiv. Ich bin sogar 0 positiv, wie ich seit heute weiß, denn mein Blutspendeausweis kam heute an, nachdem ich letzte Woche Blut gespendet habe. Ich habe es nicht nur gemacht, um zu helfen, sondern auch für den thrill. Falls ich meine Therapeutin jemals wieder sehe, frage ich sie mal, warum ich es so genieße, dass ich gestochen werde. Ein Wunder, dass ich kein Junkie geworden bin. Aber vielleicht kommt die Zeit ja noch. Drogen. Eigentlich wäre jetzt eine gute Zeit mal ein paar Drogen durchzuprobieren, daheim wird irgendwann langweilig werden, das könnte ein LSD-Trip vielleicht etwas interessanter machen. Das ist ein Scherz, ein Scherz! Schließlich gibt es gerade ohnehin soviel zu überdenken und nachzudenken, zum Beispiel über den Tod und die ewige Sinnlosigkeit des Lebens. Ich wünsche dir süße Träume. 

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